Dienstag, 28. Juni 2011

Urlaub auf den Galapagos-Inseln










Nachdem gefühlte 99% aller weltwärts-Freiwilligen auf die Galapagos-Inseln geflogen sind und die schönsten Fotos bei Facebook hochgeladen haben, dachte ich mir, das kann ich mir dann ja auch nicht entgehen lassen. Also, Mitreisende gesucht, letzte Urlaubstage zusammengekratzt, auf bürokratisch akkuratem Wege beim Chef absegnen lassen und Flüge gebucht. Da Vitamin-B ja bekanntlich alles ist, sind wir sogar an billige Einheimischen-Flüge gekommen. Ja, richtig, es gibt Einheimische und Ausländische Flüge. Genauso wie der einheimische Eintrittspreis auf die Inselchen 6$ und der für Ausländer 100$ Dollar beträgt.  Nach langem Hin und Her mit dem Reisebüro hatten wir dann aber unseren Flug, und ich habe mich am Samstag auf den Weg nach Quito gemacht. 
Nach einem schönen Tag mit Freunden bei der „Mitad del Mundo“, wo ich mich mit einem Bein auf die Nordhalbkugel und mit dem anderen auf die Südhalbkugel gestellt hab, bin ich abends zu Kira, meiner Mitreisenden, und habe in einer überirdischen Eingebung die Idee gehabt, nochmal einen Blick aufs Flugtickes zu werfen, um dann mit Schrecken festzustellen, dass der Flug doch tatsächlich schon am Morgen abgedüst war, ohne uns. Nach einer dank Kira schlaflosen Nacht haben wir uns dann am Sonntag in aller Herrgottsfrühe auf den Weg zum Flughafen gemacht, dort einen ganzen Tag verbracht, ohne auch nur eine Menschenseele von unserer Fluggesellschaft anzutreffen, uns über das in Ecuador doch oft anzutreffende Chaos in Büros aufgeregt, und sind dann einen Tag später nach viel Bangen doch noch nach Galapagos abgeflogen.
Dort hatten wir eine richtig schöne Zeit, trotz Regenwolken, die uns regelrecht verfolgt haben. Wir haben auf der Inseln Santa Cruz in dem Haus von dem Freund einer Freundin aus Píllaro wohnen können. Dieser ist Reiseleiter auf einem Kreuzfahrtschiff und hat uns zum Dinner aufs Boot eingeladen. Endlich konnte ich mal mein Besteck-von-außen-nach-innen-Wissen anwenden. Satt geworden bin ich trotzdem nicht so richtig. Ist ja doch nicht nur ein Klischee, das mit dem Riesenteller und dem Klecks Essen.
Wir haben dann Ausflüge auf die Inseln Isabela, Floreana und South Seymour gemacht. Die Überfahrten im Bötchen waren nicht immer ein Vergnügen, aber auf den Inseln wurden wir entlohnt. Riesenschildkröten, Leguanen, Pelikanen, Flamingos, Robben, Pinguinen, Seelöwen und vielen schönen Vögel sind wir begegnet. Beim Schnorcheln ist ein Pinguin direkt vor meiner Nase vorbeigepaddelt und unter mir eine Robbe durchgetaucht. Das war eindeutig das schönste Erlebnis der Reise. Die vielen weißen Sandstrände sind ebenfalls wunderschön, auch wenn mir sonst die Natur nicht so überragend gut gefallen hat, aber den Regenwald Ecuadors im Oriente kann sowieso nichts übertrumpfen!
Eine trotz Startschwierigkeiten wirklich gelungene Reise kurz vor dem Ende meines Jahres in Ecuador! Ich kann jetzt von mir sagen, Ecuador und seine vielfältigen Regionen (die Anden, die Costa, der Oriente und Galapagos)  wirklich gut zu kennen. Ich merke auch, dass es an der Zeit ist, zurückzukehren. All die vielen neuen Erfahrungen, die neuen Kontakte, die Reisen und Projekte in der Arbeit liegen hinter mir. Ich werde den letzten Monat noch voll und ganz genießen und dann endlich, endlich wieder in mein geliebtes Hamburg zurückkommen.
Die Vorfreude ist riesengroß!

Freitag, 6. Mai 2011

Einmonatiges Projekt im Amazones

Affenfüttern in Missahualli

Tropfsteinhöhlen

kurz vor dem "Tubing"


Feierabendbad

Vulkan Sumaco (Blick aus meiner Dusche)

Ein kleiner Eindruck von der harten Arbeit

Auflug in eine Comunidad

Mein einmonatiger Aufenthalt in Tena, im Amazonas von Ecuador, ist nun zu Ende gegangen und ich bin wieder zurück in Pillaro. Dieser Aufenthalt hat dazu gedient, die Arbeit der GIZ (ehem. DED) besser kennenzulernen, da wir weltwärts-Freiwilligen ja sonst nicht in den Projekten der GIZ arbeiten, sondern in anderen Partnerorganisation. Ich habe also einen Monat mit einer Entwicklungshelferin zusammengearbeitet, die für die GIZ hier in Ecuador tätig ist.

Der Monat in Tena war der beste Monat, den ich bisher hier in Ecuador erlebt habe. Mein Arbeitsplatz war im Umweltministerium, da die GIZ in vielen Projekten mit dem Umweltministerium kooperiert. Eine andere Freiwillige und ich hatten hauptsächlich die Aufgaben, bei Meetings zu helfen und die nationalen und internationalen Entwicklungshelfer in verschiedenen organisatorischen Dingen zu unterstützen.
Ich hatte jedoch auch die Möglichkeit, eine etwas verantwortungsvollere Aufgabe zu übernehmen. Für ein neues Projekt,  bei dem Bewohner aus einer kleinen Gemeinde im Nationalpark Sumaco als Touristenführer ausgebildet werden sollen, habe ich einen Projektvorschlag und einen Kostenvoranschlag geschrieben, um bei der deutschen Botschaft in Quito Geld für dieses Projekt zu bekommen. Die Ausbildung zu Touristenführern dient hauptsächlich dazu, den indigenen Einwohnern eine gesicherte Einnahmequelle zu beschaffen und dadurch die Abhängigkeit  von der wenig nachhaltigen Landwirtschaft und der Abholzung des Regenwaldes zu verringern. 
 Es hat richtig Spaß gemacht dort zu arbeiten.
Ich habe mich gleich mit vielen Kollegen angefreundet und gemerkt, dass ich mit der Mentalität der Bewohner des Amazonas viel besser zurechtkomme, als mit den Menschen in den Anden. Sie sind offener, jeder duzt sich, und es ist leichter, ihr Vertrauen zu gewinnen. Gerade das fasziniert mich so an Ecuador. Man ist zwar im selben Land, aber trotzdem ist es eine ganz andere Kultur. Mit den Kollegen abends noch ein Bier trinken zu gehen, wäre für mich in Píllaro undenkbar, aber dort ist das ganz normal.
Mein soziales Leben ist endlich mal wieder so richtig aufgeblüht und das hat mir sehr gut getan.
 
 Abgesehen von der erfüllenden Arbeit war der Monat auch sonst richtig toll. Tena ist eine Kleinstadt, aber es gibt trotzdem viel zu machen, es gibt Cafés, man kann im Fluss baden und Ausflüge in den Regenwald machen.
Mit den andern Freiwilligen sind wir in eine Tropfsteinhöhle gegangen, was ein tolles Erlebnis war. Außerdem haben wir einen Ausflug zu einem Wasserfall machen wollen. Leider sind wir dann zuerst auf der falschen Seite des Flusses hochgewandert. Ich hab in meinen Sandalen reichliche Probleme gehabt, die rutschigen Abhänge hinaufzukommen, und dann haben mich auch noch tatsächlich in beide kleinen Finger irgendwelche Insekten gestochen, woraufhin diese anschwollen und höllisch schmerzten.
Außerdem haben wir „Tubing“ gemacht. Dabei fährt jeder in einem Gummireifen den Fluss runter. Ich hatte am Anfang höllische Angst, bin dann auch prompt in der ersten Stromschnelle von Reifen geflogen, aber danach hat es richtig viel Spaß gemacht.
Auch die Umgebung von Tena habe ich kennengelernt, als ich versehentlich in den falschen Bus eingestiegen bin und in einer kleinen Gemeinde mit indigenen Einwohnern gelandet bin, aus der ich so schnell nicht wieder wegkam. Die Leute haben mich aber herzlich aufgenommen, mir Essen gegeben, mir gezeigt, wie sie im Fluss Gold waschen und mich dann zwei Stunden später wieder in den richtigen Bus nach Tena verfrachtet.
Ein weiteres Erlebnis, dass ich so schnell nicht vergessen werde, war die traditionelle Reinigung durch einen Schamanen.
Wir saßen mit dem Schamanen in einem stockdunklen Raum und wurden erst mal dazu aufgefordert, eine Flasche Rohrzuckerschnaps leerzumachen und eine Mentholzigarette nach der anderen zu rauchen. Der Schamane hat dann Ayahuasca getrunken, eine aus einer Dschungelliane hergestellte halluzinogene Droge. Danach hat er uns alle einzeln gereinigt, indem er uns immer wieder mit Kräutern abgestreift hat, mit Mentholzigarettenrauch angepustet hat und uns am Ende mit einer 7-Kräuter-Essenz abgeprustet hat. 
Von der Reinigung hab ich hinterher dann nicht so viel gespürt, den Rohrzuckerschnaps dagegen umso mehr. Ich denke aber, wenn man es in einem richtigen Ambiente macht und sich drauf einlässt, kann eine solche Reinigung schon befreiend sein.
Für meine Gesundheit ist es definitiv besser, in Pillaro zu leben, denn ich bekomme doppelt so viel Schlaf und nehme dreimal so wenig, sagen wir, ungesunde Konsumgüter zu mir. Und wassersparender ist es auch, weil ich mich in Tena dreimal am Tag geduscht hab, und hier dank der Eiseskälte so selten wie nur möglich.
Aber für meine Psyche ist es nicht besser. Mir fehlen die Wärme, der Dschungel, die Kollegen und die Freunde. Vor allem fehlt mir Tena. Wenn ich heute entscheiden müsste, wohin ich einmal auswandern will, dann würde ich mich für Tena entscheiden. 
 Es war ein wunderschöner Monat, den ich so schnell nicht vergessen werde.

Donnerstag, 10. März 2011

Urlaub in Ecuador

10.03.11

Ich denke es ist Zeit für einen neuen Eintrag, denn ich habe in den letzten Wochen so viel erlebt wie schon lange nicht mehr..
Die letzte Zeit in Ecuador war ein auf und ab der Gefühle,
ich hatte ja Besuch von meinen Eltern und es war alles in allem eine tolle Zeit. Auch wenn es manchmal Streit gab und es für meine Eltern natürlich auch oft sehr anstrengend war.
Denn alles, was für mich schon längst zum Alltag gehört, ist für sie neu und aufregend. Die langen Busreisen mit lauten Horrorfilmen, die überfüllten Busbahnhöfe, überall muss man auf seine Tasche aufpassen, in den Städten sind die Busse überfüllt, die Taxis rasen wie lebensmüde durch die verstopften Straßen, es stinkt nach Abgasen, in den ländlicheren Gegenden wirst du oft angeschaut wie ein Marsmensch, weil du auf den ersten Blick als Tourist entlarvt wirst, auf Pick-ups werden Kühe, Schafe und Pferde transportiert, die Märkte sind laut, groß, und es wird von exotischen Früchten bis Kuhköpfen alles angeboten..

All das ist längst mein Alltag geworden.
Mit meinen Eltern durchs Land zu reisen war auch für mich eine ganz neue Erfahrung, denn ich habe durch meine Eltern alles nochmal so erlebt und wahrgenommen, wie ich es bei meiner Ankunft im Land tat.
Jedes "wow, schau mal dort" hat mir gezeigt, dass alles, was am Anfang genauso neu und aufregend für mich war, nun Teil meiner Welt und meines Alltags ist.

Auch habe ich festgestellt, wie sehr sich mein Konsumdenken schon geändert hat, denn ich habe bei meinen Eltern genau das Verhalten beobachtet, dass ich am Anfang auch hatte.
"Mann, mit dem Taxi kostet es nur 3 Dollar? Klar fahren wir dann Taxi!!"
Heute denke ich "Der Bus kostet 25 Centavos, da spare ich ne Menge, fahren wir Bus!"
oder "Wie bitte, hier kostet das Essen 7 Dollar? Normalerweise zahle ich für ein Almuerzo 2$, ich schmeisse doch mein Geld nicht zum Fenster raus!", während meine Eltern für einen Drittel
des deutschen Preises glücklich speisen. Ich glaube, wenn ich das nächste Mal in Deutschland ins Vapiano oder zu Sturbucks gehe, werde ich in Ohnmacht fallen wegen der Preise (obwohl ich mich jetzt schon
wie verrückt darauf freue, endlich mal wieder einen Salat zu essen, ohne dadurch meinen Darm mit 2000 neuen Unterietern zu beglücken).

Mit meinen Eltern war es, auch wenn es eine Reise und kein Urlaub war, für mich und wohl auch für sie eine tolle Zeit! Wirr waren auf dem zweithöchsten Berg der Welt auf
5000 meter Höhe (und ich habe es überlebt, Sportspaß hat sich wohl doch gelohnt), wir waren am Meer, im Oriente, wo wir eine Nacht im Urwald geschlafen haben, auf einem Kanu den Napo-Fluss entlaggefahren sind und in einer Tierauffangstation die buntesten Uhrwaldtiere gesehen haben.

Meine Eltern haben meine Gastfamilie und meinen Alltag in Pillaro kennengelernt, haben uns zu der Taufe begleitet, bei der ich Taufpatin geworden bin, haben beim Fest danach wohl alle Ecuadorianer
beim Tanz um Längen geschlagen, sie waren mit mir in einer Schule bei einer Theateraufführung MEINES Theaterstücks, wir waren im Nationalpark Llanghnates und bei tollen Wasserfällen...
Ecuador hat eben Einiges zu bieten!!!

Als sie dann wieder weggefahren sind, war ich schon erstmal geknickt, aber es war etwas ganz anderes, meine Eltern aus meiner gewohnten Umgebung und meinem Zuhause zu verabschieden, als selber meine gewohnte Umgebung und mein Zuhause zu verlassen, wie es beim Abschied in Deutschland war.

Am Wochenende danach war dann außerdem Karnaval, und ich sage euch, da drehen die Leute hier so richtig auf!! Bein Ausflug des Municipios, in dem ich arbeite, bin ich unter anderem vom Bürgermeister und einigen anderen Kollegen komplett bis auf die Schuhe bekleidet mehrmals ins Schwimmbecken geworfen worden, beim Familientreffen wurde ich von einigen Cousins in eine wilde Wasserschlacht verwickelt und bei den Stadtfesten von Ambato kann man keine zehn Meter durch die Menschenmengen gehen, ohne von einer der etlichen Schaumsprühflaschen von oben bis unten eingeseift zu werden.
Und in Deutschand darf man nicht mal sein Auto auf der Straße waschen, was leben wir doch in einer verrückten Welt!!
Viele andere Freiwillige sind nach Ambato gekommen, um das Fest der Blumen und Früchte zu feiern, das zeitgleich mit Karnaval stattfindet.
Überall auf den Straßen wurde Salsa, Merengue usw. getanzt und mir hat es richtig gut gefallen!

Jetzt bin ich vorerst nur noch drei Wochen in Píllaro und dann werde ich einen Monat im Oriente leben, worauf ich mich sehr freue!!
Vorher werde ich aber selbstverständlich noch einen Blogeintrag über meine Arbeit verfassen, laut meinen Eltern sitzt ja halb Hamburg gespannt vor dem Bildschirm und wartet nur darauf;)

Dienstag, 18. Januar 2011

Wochenendausflug nach Cotacachi


18.01.11

Ich habe mich Samstag auf den Weg nach Cotacachi gemacht, um dort Claudia zu besuchen und eine Wanderung um einen Kratersee zu machen.
Die Hinfahrt war schon eine kleine Herausforderung: Ein schwerer Unfall, Hauptstrasse gesperrt, riesengroßer Umweg (an meiner Haustür vorbei), eine Stunde länger unterwegs.
Auf der Fahrt natürlich eingeschlafen, und beim Aufwachen in einer interessanten Position mit meinem Sitznachbar wiedergefunden. Dieser war so klein, dass er seinen Kopf perfekt auf meiner Schulter ablegen konnte, und ich meinen wiederum auf seinem. Beide waren wir  beim Aufwachen etwas beschämt über diese unabsichtliche Symbiose, aber lustig wars trotzdem. Und bequem.
Dank der Umleitung mussten die Anderen der Gruppe in Otavalo auf mich warten und wir haben den letzten Bus nach Cotachachi verpasst. Telefonisch wurde ich aufgefordert, an einer Tankstelle anstatt am Busbahnhof auszusteigen. Das war dann aber die falsche Tankstelle und ich musste mich alleine im Dunkeln auf die Suche nach dem Rest der Gruppe machen (danke Shiva für diese glorreiche Idee, bin knapp nem Raubüberfall entkommen !!).
Unser Versuch, zu trampen, ist dann schiefgegangen, aber mit dem Taxi haben wir Cotacachi dann doch noch erreicht.

Nach einer echt tollen Nacht in der Dorfdisko, inklusive Tänzchen mit dem ein oder anderen 1,50m grossen Einheimischen, haben wir uns aus dem Bett gequält, um um die Kraterlagune Cuicocha herumzuwandern: "Nicht mehr als drei Stunden, ist echt nicht so anstrengend Lena, komm doch mit!". Na gut. Bin ich also mitgegangen.
Nun ja, wie soll ich sagen, ganz so unanstrengend war es dann nicht. Mehrmals kam mir der Gedanke, was passiert, wenn ich vor Luftarmut in Ohnmacht falle und abstuerze. Ist nicht passiert, ich habe es überlebt, und die Landschaft war auch wirklich wunderschön. Denke ich mir jedenfalls jetzt hinterher, wo ich mir so die Fotos anschaue. Und stolz bin ich auch. Ich habe wieder ein tolles Fleckchen von Ecuador kennengelernt. 

Donnerstag, 6. Januar 2011

Silvester in Montañita

06.01.12 
Waehrend mein Weihnachten eher unspektakulär und vor allem ziemlich unweihnachtlich vonstatten gegangen ist (es fehlte die Kälte, der Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt und ein schöner Familienstreit beim Baumschmuecken), war mein Silvester hier in Ecuador dafuer umso grossartiger! Einen Tag vor Silvester bin ich mit einem befreundeteten Freiwilligen in einer ziemlichen anstrengenden, 12stündigen Busreise aus den Anden runter an die ecuadorianische Kueste in den Ort Montañita gefahren, wo wir die anderen Freiwilligen getroffen haben.
Montanita ist ein sehr kleiner, aber dafür umso wunderbarer Ort. Es gibt viele Strohhütten, Bars, Cocktailstände, Clubs, einen tollen, sehr belebten Strand, und mindestens genauso viele Hippies mit Rastalocken.
Nicht selten weht einem ein Marihuana-Duft in die Nase, am Strand wird gezeltet, überall begegnen dir Rucksacktouristen und des öfteren hörst du, wie sich neben dir Leute auf Deutsch unterhalten, was sonst in Ecuador eher selten ist.
Gerade über Silvester war der Ort so rappelvoll mit Touristen, dass die geplante Abreise am Sonntag leider leider um einen Tag verschoben werden musste.
Reingefeiert haben wir am Strand, der so voll war wie das Heiligengeistfeld beim Public Viewing. Überall wurden traditionell lebensgrosse Puppen verbrannt, und die Menschen sind wie verrückt über diese brennenden Puppenhaufen gesprungen und getanzt. Danach haben wir uns dann unser Fleckchen am Strand gesucht und unsere eigene Strandparty gefeiert. 
Die Küste hat aber nicht nur positive Seiten, z.b. wurde eine Gruppe von Freiwilligen nach dem abendlichen Baden überfallen und ausgeraubt. Fast alle haben jetzt schon die ersten Erfahrungen mit der Kriminalitaet gemacht, und ich bin dabei wohl noch die einzige, die ihrem Dieb noch nicht persöhnlich gegenueber gestanden hat.
Zwar vermisse ich meinen Freund und Helfer, den Computer, jeden Tag mehr, aber wenigstens wurde mir kein Messer an den Hals gehalten, als er gestohlen wurde (er wurde aus dem Büro geklaut).
Nach den Tagen an der Kueste, dem Baden im lauwarmen Meer, dem alltäglichen Feiern und dem Zusammensein mit Freunden bin ich von meinem Alltag nun ein bisschen genervt, ich will wieder in die Wärme und meine Regenjacke ausziehen.
Der Aufschwung vor wenigen Wochen bei der Arbeit hat sich wieder gelegt und ich vertreibe mir die Zeit mir Nichtstun. Jetzt fiebere ich erst Recht dem Februar entgegen, den ich mit meinen Eltern verbringen werde und wieder reisen werde.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Meine Arbeit im Rathaus von Píllaro

14.12.10
Soo, ich wurde nun schon mehrmals um einen Blogeintrag über meine Arbeit gebeten. Nun gut, nach anfänglichem Schwangerschaftsurlaub meiner Kollegin und drei Monaten mehr oder weniger Nichtstun hat nun endlich die Arbeit begonnen, wegen der man mich hergeholt hatte.
Ich bin also mit drei Liedern und einem kleinen Film im Gepäck zusammen mit meiner Kollegin in die Kindergärten von Píllaro losgezogen, um mit den Kindern zu singen, zu tanzen, und ihnen zu erklären, dass ich Deutschland niiiiemand niiemals seinen Müll auf die Straße werfen würde und dass sie das doch auch lieber lassen könnten.
Für meine spanisch sprechenden Leser: 
 Basurita al basurero, basurita al basurero, sea aquí, sea acá, pero nunca al suelo ira..“
Was soviel heißt wie:
Müllchen in den Mülleimer, Müllchen in den Mülleimer, sei es hier, sei es da, aber niemals auf den Boden..“
So und so ähnlich hat sich das dann angehört, als ich mit den Kindern gesungen habe. 
Spaß gemacht hat es jedenfalls eine Menge, aber die Sprachschwierigkeiten machen es nicht gerade leichter, und ich muss zugeben, wenn ich nicht meine Kollegin gehabt hätte, hätte ich so meine Schwierigkeiten gehabt. 
 

Abgesehen davon habe ich ein kleines Theaterstück geschrieben, was den Kindern etwas über Mülltrennung und Umweltverschmutzung beibringen soll. Dieses probe ich gerade mit einer Klasse von ca. 11jährigen Jungs ein. Sie bergüßen mich mit Guuuuten Mooorgeeeeeen Seeenoritaa, denn deutsche Wörter lernen sie mit Begeisterung, und sind mir schon jetzt ans Herz gewachsen! 
 
Ansonsten verbringe ich immer noch oft Zeit im Municipio am Computer, begleite mal Kollegen zu Versammlungen zum Thema Umweltschutz oder Tourismus oder bringe Mülleimer und Pflanzen an Schulen.

Oder mich fragt so wie heute der Tierarzt, ob ich ihn nicht begleiten will. Er bräuchte Hilfe bei der Arbeit, denn sein Assistent könne nicht. Also gut, ich fahre mit und erfahre dann unterwegs, dass er Hilfe bei der Kastration eines Hundes braucht. Im Stall angekommen sehe ich, dass es sich um ein Schwein handelt. Ein riesengroßes, fettes Schwein. Hatte ich wohl falsch verstanden. Naja. Mir wird die Aufgabe zugeteilt, den Tropf zu halten und ich schaffe es prompt, die Nadelspitze in den Dreck fallen zu lassen. Wieder desinfizieren, weiter geht’s. Das Schwein kreischt, die Männer schwitzen, die enormen Hoden werden abgeschnippelt, das Blut spritzt, und ich stehe hilflos mit meinem Tropf in der Hand daneben. Jetzt weiß ich immerhin schon mal, was ich nicht werden möchte: Tierärztin !!
So viel zu meiner bisherigen Arbeit. 
 
An den Wochenende reise ich weiterhin so viel wie möglich durchs Land und verbringe Zeit mit meinen Freiwilligenkollegen. 
Dieses Wochenende bin ich am Freitag Abend zu Kira nach Quito gefahren, wo wir feiern gegangen sind. Am Samstag morgen dann früh raus und weiter nach Otavalo, wo ich mir einen Pulli aus Alpaca-Wolle (so wie Lama) gekauft habe. Nicht ganz so spaßig, wie bei Zara zu shoppen zu gehen, aber wenigstens etwas. 
Abends sind wir dann weiter nach Ibarra gefahren und haben bei Lennart, einem anderen Freiwilligen, gegrillt, und sind dann wieder feiern gegangen. 

Am Sonntag fünf Stunden Busfahrt zurück nach Hause, und das alles für zweimal feiern gehen am Wochenende, aber so lerne ich meine zwei Bahnstationen von Altona nach Reeperbahn wenigstens mal richtig zu schätzen. Trotz Schlafmangel bin ich jetzt wieder aufgetankt für zwei Wochenenden in Píllaro. 
Und Weihnachten kommt ja auch bald. Das vergesse ich gelegentlich. Und Silvester geht’s ans Meer. Das vergesse ich nicht.
Also meine Lieben, ich werde berichten.. 


P.S. Der Vulkan Tungurahua ist immer noch aktiv, heute nach habe ich eine Eruption gehört und die Fensterscheiben haben  geklirrt!!

Montag, 29. November 2010

Schwarzbrot, Vulkan und Censo

28.11.10


An einem Wochenende, das ich wegen der Volkszählung gezwungenermaßen in Píllaro verbringen musste, habe ich überraschenderweise trotzdem mehrere Highlights erlebt.

Gestern Mittag bin ich mit Sarina, der einzigen gleichaltrigen Deutschen hier in Píllaro, nach Ambato zum Mittagessen gefahren. Sie hatte mir schon lange von einem französischen Café namens „Creme Brüllet“ vorgeschwärmt und mir nicht zu viel versprochen! In diesem kleinen, süßen Cefé, dass wohl als einziges Café in ganz Ecuador die Speisen liebevoll dekoriert, habe ich sage und schreibe 8 Dollar ausgegeben. Damit bin ich wohl für immer aus dem Club der sparsamen Freiwilligen rausgeflogen! Wenn man bedenkt, dass ich sonst für ein Mittagessen 1,50 Dollar bezahle, klingt es auch wirklich etwas dekadent, aber wenn ich dann darüber nachdenke, dass ich in Deutschland regelmäßig für mehr Geld im Vapiano oder bei Jim Blog gespeist habe, kann ich mir meinen kulinarischen Ausrutscher guten Gewissens verzeihen.
Abends ging es weiter mit den freudigen Überraschungen. Elke hatte aus einer deutschen Bäckerei in Banos köstliches, seltenes, wertvolles Schwarzbrot mitgebracht. Dieses mit echter Butter und einer zerdrückten Knoblauchzehe kombiniert war ein echter Festschmaus. Gott sei Dank erzeugt der Knoblauch aus den Anden ja auch angeblichen keinen Körpergeruch. 
 
Das Beste kam aber erst mit Einbruch der Dunkelheit. Der aktive Vulkan Tungurahua, aus dem schon den ganzen Tag Rauch aufstieg, spuckte Lava. Man konnte deutlich sehen, wie in regelmäßigen Abständen Lava aus dem Krater geschleudert wurde und in Bächen an den Seiten herunterfloss, begleitet von einem tiefen, dumpfen Grollen. Noch nie habe ich die Gewalt der Natur so bewusst wahrgenommen. Trotz der vielen Versuche, mit Hilfe von Elkes Kontakten einen Ecuadorianer mit Auto aus dem Bett zu klingeln, um uns näher an den Berg zu einem Aussichtspunkt zu fahren, haben wir das beeindruckende Naturschauspiel dann vom fünften Stock eines Rohbaus in Pillaro beobachtet müssen. Anscheinend ist ein lavaspuckender Vulkan für die Píllarener nicht ganz so sensationell wie für drei Deutsche!


Heute verbringe ich den Tag im Haus, denn in ganz Ecuador wurde wegen der Volkszählung (Censo) ein Ausgehverbot verhängt. Jeder Hausbewohner, inklusive mir selbst, wurde unter anderem nach Bildungsgrad, Hautfarbe und Lese- und Schreibfähigkeit befragt. Hoffentlich werden die Ergebnisse veröffentlicht, denn mich interessiert sehr, wie viel Prozent der Bevölkerung nicht lesen und schreiben können. 
Besonders aber würde mich interessieren, wie viel Prozent der Bevölkerung bei solchen Umfragen die Wahrheit angeben.

Dienstag, 23. November 2010

Zwischenseminar

22.11.10

Nach zweieinhalb Monaten Freiwilligendienst haben wir uns zum ersten Mal mit allen 35 Freiwilligen versammelt, um gemeinsam bei einem Seminar das bisher Erlebte zu reflektieren, Erfahrungen auszutauschen und kleine Verschnaufpause in unseren ecuadorianischen Alltag einzulegen.
Dienstagabend bin ich nach Quito gefahren und habe dort Magda in einer kleinen, schönen Kirche im historischen Zentrum getroffen, wo ich mir ein Konzert des Jugendorchesters angehört habe, bei dem Magda arbeitet.
Am Mittwochmorgen hat das Seminar begonnen, wir haben den Tag bei SIGVOL, der Partnerorganisation des DED, verbracht, und wurden von Lothar Rast, dem Direktor des DED in Ecuador, über den Krisenplan und über die einmonatigen Praktikas bei DED-Entwicklingshelfern informiert.
Abends sind wir dann, wie es die weltwärts-Tradition vorsieht, bei Lothar zum Abendessen eingeladen gewesen. In der wahrscheinlich schickesten Gegend Quitos in einem von Wachmännern und Schranken bewachten Viertel haben wir dann in einer Villa mit Blick auf Quito bei Nacht köstlichen Fingerfood verspeist und mit Lothar die ein oder andere Flasche Wein gelehrt.
Am Donnerstag sind wir dann viel zu früh mit dem Bus nach Pacto gestartet, einem kleinen Dorf mit warmem und feuchtem Klima wie im Oriente. Dort haben wir das Seminar fortgesetzt und unsere bisherigen Erfahrungen und Erlebnisse ausgetauscht, uns Gedanken über unsere Privilegien gemacht und um die Verantwortung, die damit verbunden sind, haben über Freiwillige senden contra Geld geben diskutiert und abends beim kulturellen Abend gemeinsam gesungen.
Statt zu duschen wurde im Fluss gebadet und geschlafen in einem Lager aus Isomatten und Schlafsäcken.
Am Freitagabend wieder in Quito angekommen, wurde das Seminar dann offiziell beendet, aber da der gute DED uns eine weitere Nacht im Hotel spendiert hat, haben das alle ausgenutzt und sind dann noch zusammen feiern gegangen. Für mich, die in Píllaro als einzige Blonde alle Blicke auf sich zieht, ist es eine willkommene Abwechslung, in Quito in das Nachtviertel „Mariscal“ (Taxifahrer: „Gringo-world“) zu gehen und dort auf 89% Ausländer zu treffen.
Am Samstag habe ich mich mit Kira, Freunden von ihr und anderen Freiwilligen trotz der Warnung, dass wir auf Grund von Straßensperrungen nicht zurückkommen würden, auf den Weg nach Otavalo zu einem berühmten Kunsthandwerksmarkt gemacht. Dort hätte ich dann auch wahrscheinlich ein halbes Vermögen ausgegeben, wären wir nicht von einem sintflutartigen Regen zur Rückkehr gezwungen worden. Auf der Rückfahrt haben wir die ersten von insgesamt 80.000 Pilgern gesehen, die in der Nacht vom Samstag auf Sonntag in Ecuador gepilgert sind.
Abends sind wir wieder in die Mariscal gefahren, aus Gründen von unbeschreiblicher Übermüdung aber nur etwas trinken gegangen.
Am Sonntag hatte dann eine erneute Magen-Darm-Infektion mit all ihren Symptomen in meinem Bauch ihren Höhepunkt erreicht, so dass eine zweieinhalbstündige Busfahrt leider nicht zu bewerkstelligen gewesen wäre. Also hab ich ein Krisengespräch mit meinen Eltern bei Skype geführt, mit dem Ergebnis, dass sie mir das Versprechen abgeluchst hatten, einen Homöopathen in Quito zu konsultieren. 
Nach einer weiteren Nacht in Quito hat sich dieser dann tatsächlich ein wenig mehr Zeit für mich genommen als die Ärzte, die ich bisher kennenlernen durfte, mich über mein halbes Leben ausgefragt und mir dann diagnostiziert, dass ich nicht die Infektion, sondern mich selbst heilen muss, in dem ich über meine Gefühle, Ängste und Probleme rede.

Ich habe mir jetzt fest vorgenommen, mit meiner Gastfamilie über die Bettsituation in unserem Haus zu sprechen, da diese etwas begrenzt ist und mir dementsprechend manchmal Privatsphäre fehlt. Vielleicht verschwindet dann ja auch ein für alle mal jeglicher Durchfall.
Zurück in Píllaro muss ich sagen, dass die Rückkehr in mein kleines, ruhiges Städtchen nach so langer Zeit in der Hauptstadt gar nicht so schlimm ist wie gedacht. Ich freue mich mehr, meine Gastfamilie wiederzusehen, als ich gedacht hätte, auch wenn ich jetzt trotzdem schon wieder die Großstadt mit all dem Verkehr, den vollen Bussen, dem Gestank, dem Nachtleben und vor allem den anderen Freiwilligen vermisse.

Montag, 15. November 2010

Que viva Cuenca!

04.11.10

Nach Sieben Stunden Busfahrt durch die Anden bin ich am Samstag in Cuenca, der schönsten Stadt Ecuadors angekommen, um dort die Feste von Cuenca mitzuerleben. Gemeinsam mit 14 anderen Freiwilligen habe ich dann tolle Tage verbracht, 
aufgrund der Gruppengröße war es zwar mal mehr, mal weniger einfach, sich zu einigen, aber letztendlich war dann für jeden etwas dabei. 
Am ersten Tag sind wir zu meinem Bedauern gleich wieder aus der Stadt rausgefahren und haben eine Wanderung durch den Nationalpark „Las Cajas“ gemacht. 
Die Berge, Lagunen und der „Hexenwald“ haben mich dann aber mehr als entlohnt und gemeinsam zurück zu trampen, sich hinten auf einem Pick-up zu quetschen und bei einer irren Geschwindigkeit zurück nach Cuenca zu fahren, war definitiv auch eine Erfahrung, die sich gelohnt hat.
Am Abend haben wir gemeinsam bei Imme Nudeln mit Tomatensoßen gekocht, was jetzt für den in Deutschland lebenden, täglichen Nudeln essenden Menschen nicht besonders aufregend klingen mag, aber für uns alle ein absoluter Höhepunkt war. 
Dann am Montag wieder in Bus gesetzt und raus aus Cuenca, zu den Ruinen der Incas. Wäre mit einer Führung sicher interessanter gewesen, so erschien es mir eher wie eine Ansammlung von Steinen.
An den folgenden Abenden haben wir dann Cocktails gemacht und sind zu den Fiestas von Cuenca gegangen, wo hunderte Leute auf den Straßen tanzen, „Que viva Cuenca!“ rufen, essen, trinken, sich Feuerwerke und Lichtspiele anschauen und auf Konzerte gehen. In allen Parks und Plätzen und gibt es während der Fiestas andere Veranstaltungen, artistische Vorführungen, Märkte und Konzerte.
Auch sonst ist Cuenca einen Besuch wert, denn es ist die sauberste, ruhigste und architektonisch schönste Stadt, die ich bisher in Ecuador kennengelernt habe. 

 

Montag, 25. Oktober 2010

Kleine Evaluation

25.10.10
Ich lebe jetzt seit fast zwei Monaten in Ecuador.
Langsam merke ich, dass ich mich mehr und mehr eingewöhne.
Ich habe mich daran gewöhnt, abends mit zwei Pullovern rumzulaufen, weil es so kalt ist.
Ich habe mich daran gewöhnt, morgens erst mal nach draußen zu gehen, um zum Bad zu kommen, und mich dort dann bei einer Temperatur, bei der der Atem gefriert, auszuziehen und zu duschen!
Es stört mich nicht mehr, dass es morgens und abends nur Weißbrot mit Milch gibt und dass kein Tag ohne eine große Portion Reis vergeht.
Ich habe mich an den unangenehmen Geruch in der Bussen gewöhnt und daran, dass man fast nie einen Sitzplatz findet.
Ich habe mich daran gewöhnt, auf der Straße angeschaut zu werden und immer wieder um ein Foto gebeten zu werden.
Ich habe mich an die Hilfsbereitschaft der Menschen gewöhnt und daran, mehr Einladungen und Hilfsangebote anzunehmen als ich benötige.
Nur mein Magen hat sich noch nicht ganz so gut eingelebt.
Erst vor ein paar Tagen hatte ich wieder einen Infekt, hatte so wenig Kraft, dass ich an den Tropf musste. Die ärztliche Behandlung hier macht es nicht gerade leichter.
Während ich den ganzen Tag darüber gegrübelt habe, ob ich das Antibiotikum nehmen soll oder nicht, habe ich dann abends erfahren, dass ich es schon längst bekommen hatte, ohne es zu wissen, noch bevor das Ergebnis meiner Proben die Privatklinik erreicht hatte. Da verliert man dann doch jedes Vertrauen in die Ärzte, auch wenn ich jetzt wieder topfit bin.
Eine Krankenschwester, die ständig ins trostlose Zimmer gelaufen kommt und sagt: "Weine nicht, das macht hässliche Augen", um dann durch die Klinik „sie weint“ zu kreischen, trägt nicht gerade dazu bei, dass man sich besser fühlt.
An solchen Tagen wünsche ich mir, ohne meine Gedanken beeinflussen zu können, dass mein Magen sich nie an die Ernährung gewöhnt und ich zurück nach Deutschland muss.

Doch dann kommen wieder Momente, in denen meine Stimmung sofort umschlägt: wenn mich meine Kollegen alle im Krankenhaus besuchen kommen, wenn meine Gast-Oma sich abends zu mir setzt und stundenlang erzählt, wenn meine Gastmutter mir sagt, dass ich schon wie eine Tochter für sie bin, wenn ich mit Magda, Kira und Claudia auf 4100 m ü. M. eine grandiose Aussicht auf Quito genieße.

Trotz allem merke ich, dass ich mich in der Gemeinschaft von Deutschen noch immer wohler fühle. Da bin ich ich selbst, muss nicht aufpassen immer höflich zu sein, muss nicht ständig „gracias“ sagen, muss nicht alle fünf Minuten jemanden fragen, wie es ihm geht, kann zugeben, wenn es mir nicht so gut geht und kann vor allem meiner Ironie Ausdruck verleihen, wozu ich auf spanisch noch lange nicht fähig bin. Da bin ich froh, wenn ich in einem Witz überhaupt einen Witz erkenne (sicherheitshalber lache ich immer mit).
Ich versuche, immer schon den nächsten Ausflug in Aussicht zu haben, wenn ich von einem tollen Wochenende, wie dem vergangenen in Quito, zurückkehre. Denn trotz der Freude auf meine Familie, die Kollegen und den geordneten Alltag bedeutet dies auch immer wieder die Rückkehr aus der Freiheit, in der ich nicht von meiner Gastmutter zur Arbeit hin und zurück begleitet werde und jede Fahrt nach Ambato ankündigen und erklären muss.
Deshalb freue mich mich schon auf das nächste Wochenende, denn ich habe insgesamt fünf Tage frei und fahre mit den anderen nach Cuenca, der angeblich schönsten Stadt Ecuadors!